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DER VEREIN
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SATZUNG
4. Internationaler Marianne-Brandt-Wettbewerb 2010 Resümee
Der 4. Internationale Marianne-Brandt-Wettbewerb.
wurde mit der europaweiten Ausschreibung eingeleitet.
Mit 410 Einreichungen wurde eine deutliche Steigerung der Resonanz gegenüber dem 3.Wettbewerb erreicht.
Die Exponate der jungen Designer, Künstler und Fotografen kamen aus 12 europäischen Ländern.
Neben den vielen Beteiligungen aus Deutschland waren insbesondere die Beneluxstaaten sowie die Schweiz und Österreich stark vertreten.

Da die Preisvergabe der
ersten drei Wettbewerbe Maßstäbe gesetzt hat, war das durchschnittliche qualitative Niveau der Einreichungen sehr ansprechend.

Jury:
Vorsitzender
Prof. Peter von Kornatzki,
Agata Madejska, Polen/Deutschland,
Giulio Iacchetti, Italien,
Timo Salli, Finnland,
Michael Batz, Deutschland,
Marcus Botsch, Deutschland


Grundlage für die Juryentscheidungen war die Ausschreibung des 4. Internationalen
Marianne-Brandt-Wettbewerbes.

Die Einhaltung der Teilnahmebedingungen und der Allgemeinen Wettbewerbsbedingungen wurden bereits im Vorfeld kontrolliert. Die Jury konnte sofort mit der Auswahl beginnen. Die Art und Weise der Juryauswahl legte die Jury selbst fest.
Die Auswahl der Preisträger ist anonym erfolgt.

Die Juryarbeit hatte die Aufgabe 3 Hauptpreise und 9 Anerkennungen auszuwählen. Diese Preisträger mussten am 17.06. 2010 feststehen.

Aus allen Einsendungen wurde außerdem ein Förderpreis, den die Sächsische Ministerin für Kunst und Kultur, Frau Prof. Dr. Dr. Sabine von Schorlemer überreicht.

Das Unternehmen Alessi s.p.a. stiftete erneut einen Sonderpreis für Exponate aus der Kategorie Produktgestaltung.

Die Auswahl des Hauptpreises der Juroren in der Kategorie Produktgestaltung, wurde vom design
report als „sehr mutig“ benannt.



Jurybegründung Produkt:

Kolibri „Mechthild“ gewinnt Marianne Brandt Wettbewerb in der Kategorie „Produkt“

Juryentscheidungen sind immer auch komplexe gruppendynamische Prozesse. Da macht sich der Eine stark für seinen Favoriten, da kontert die Andere mit ihrem Lieblingsobjekt, da bilden sich Fraktionen für oder gegen bestimmte Einsendungen, die aber bei dem nächsten zu jurierenden Gegenstand schon wieder ganz anders aussehen können. Kurzum: Auch Mehrheitsentscheidungen unter Experten sind und können nie einstimmig sein. Und das ist auch gut so.

Überaus Erstaunliches aber passierte bei unserem Gewinner! Es herrschte Einigkeit.Jegliche
Fraktionsbildung war plötzlich vergessen. Alle waren begeistert und bemühten sich auf ihre spezifische Art mit Worten zu begründen, warum „Mechthild“ ihr
absoluter Favorit war. Die Poesie des Funktionalen - Kolibri „Mechthild“ hatte alle in ihren Bann gezogen.

Dieses kleine Vögelchen, aus Papier gefaltet, gerade mal 5 cm lang, hat etwas zauberhaft Poetisches. Fast selbstverständlich hätte es direkt aus der Ausstellung „Katachi- die Schlichtheit in der japanischen Gestaltung“ im Bauhaus Archiv Berlin entflogen sein können. Darf man einem so einfachen Objekt den ersten Preis zuerkennen? Tatsächlich erinnert es in seiner Reduktion an japanische Papierfaltkunst - wäre da nicht dieser raffinierte kleine Draht am Schnabel.
Mit Hilfe dieses Drahtes lässt sich der Vogel nun in Rissen oder Bohrlöchern an der Wand befestigen.
Da fliegt er nun und wirft wunderschöne Schatten. Das ist alles. Ja, man darf. Man muss es sogar. Denn „Mechthild“ ist mehr als ein winziges Stück Papier. In ihm steckt mehr, als man auf den ersten Blick vermuten sollte. Der Kolibri ist nicht nur einfach schön -
er ist gleichermaßen eine Meditation über den Begriff des Funktionalen heute. Nur Funktion ist ja schon längst viel mehr als die reine Primärfunktion. Wir sprechen von produktsprachlichen Funktionen, von zeichenhaften Funktionen, von Symbolfunktionen und vielem mehr. Ja selbst das Ornament, vom Funktionalismus jahrzehntelang geschmäht, ist funktional - erfüllt es doch eine schmückende oder gliedernde Funktion. Hätten die Lyrik oder die Poesie nicht ebenfalls eine wichtige Funktion - es wäre schlimm um unsere Gesellschaft bestellt.
Ganz sicher wird diese Entscheidung beim Ein oder Anderen Kopfschütteln oder Verärgerung auslösen. Die Jury würde sich freuen, wenn sich eine heftige Diskussion entspinnen würde. Denn dann würde vom 4.Marianne- Brandt-Wettbewerb ein wichtiger Impuls zu der entscheidende Frage ausgehen. Wie viel Design brauchen wir heute noch? Wie viel Etüden zum Thema „neue Stühle“, wie viele Varianten zum „gedeckten Tisch“, wie viele Vasen, Silberschmiedearbeiten oder Designaccessoires sind heute noch von Nöten?

Die mit dem Hauptpreis für Fotografie bedachte Serie „TERRA – Das Konstrukt Landschaft“ geht
auf die veränderten Gewohnheiten des Sehens im Zeitalter von Digitalisierung, Internet und
Geotagging. Alexandra Grein spannt mit ihren am Computer entstandenen Collagen den Bogen
von der Malerei der deutschen Romantik zu Google Earth. Die entstandenen Bilder sind von
tradierter ästhetischer Schönheit, zugleich aber ein Kommentar zu gegenwärtigen Debatten um die
Sammlung und Verwertung von Informationen.



Jurybegründung Fotografie:

Wie ein Zeichner oder Maler hat auch der Fotograf nie
Abbilder der Wirklichkeit geschaffen, sondern vielmehr den persönlichen Blick auf sie und seinen Eindruck von ihr ins Bild gesetzt. Oft inszeniert er sie dabei fantasievoll oder gestaltet sie selbst als eigenständige Realität.
In dieser Tradition des visuellen Experiments steht auch die Bildreihe "TERRA – Das Konstrukt Landschaft" der Fotografin Alex Grein – eine Hommage an den Romantiker Caspar David Friedrich. Jedes dieser Bilder suggeriert uns zwar das Motiv einer realen Landschaft, doch 'in Wirklichkeit'ist es eine Collage: die
raffinierte Kombination aus Bildausschnitten von Satellitenaufnahmen jener Regionen und Orte, wo der Maler sein jeweiliges Bildmotiv fand.

Diese "Landschaftskonstrukte" von Alex Grein sind eine
höchst eigenwillige Expedition in Grenzbereiche der Fotografie. Sie weitet dabei den engen funktionalen Begriff 'Bilddokument' und entdeckt im Spiel mit dessen Bezugsgrößen eine neue poetische Dimension. Ihre konzeptionelle Idee überzeugt ebenso wie die sinnliche Kraft der Bildsprache: Was bei der
Aufsicht des Satelliten an 'Landschaft' verloren geht, fügt sich in der räumlichen Kombination der Bildfragmente zum spannungsvollen Dialog von vertikaler und horizontaler Perspektive –
eine Landschaft entsteht, greifbar und doch kaum fassbar. Ein erhellender Grenzgang unserer Wahrnehmung.

Alex Grein gelingt damit eine ebenso schlüssige wie inspirierende Visualisierung des Mottos "Die Poesie des Funktionalen"!



Jurybegründung Licht im öffentlichen Raum:

Bei der Auswahl des Hauptpreises in der variablen Kategorie „Licht im öffentlichen Raum“ wird
deutlich, dass es der Jury nicht allein auf elegante Einzelformen ankommt, sondern der Gedanke des Problemlösens im Vordergrund steht. Der in Österreich lebende Designer Ivan Niedermair hat ein System von Straßenleuchten entworfen, das ohne externe Energiequelle auskommt. Der Strom für die sparsamen LED-Lampen wird durch die passierenden Fahrzeuge erzeugt. Licht als Mittel der Orientierung im urbanen Raum wird hier untrennbar mit ökologischen Prämissen verknüpft.

In der Wettbewerbskategorie „Licht im öffentlichen Raum“, die erstmals ausgelobt worden war, orientierte sich die erste Sichtung unter allem an einer präzisen begrifflichen Fassung des „Öffentlichen“ in Unterscheidungen zu vielfältigen halb- bzw. teilöffentlichen urbanen Situationen. Der grundsätzliche Ansatz, Licht als Medium nicht nur zur Dekoration, sondern zur nachhaltigen Qualifizierung des öffentlichen Raumes im Sinne der Wettbewerbsanforderung zu verstehen, zeichnete eine Reihe von Arbeiten aus und brachte sie in die engere Wahl. Besonders überzeugend fand das Auswahlgremium den integrativen Gedanken der prämierten
Arbeit, die das Thema ‚Licht’ zusammen denkt mit ‚Energie’ und ‚Interaktion’ und damit das Thema ‚Leuchte’ in einen Systemzusammenhang stellt. Ungeachtet der derzeitigen technischen
Realisierbarkeit wird hier der urbane Nutzen in enger Verbindung zur urbanen Funktion gesehen. Die Entnahme von Energie nicht aus externen industriellen Quellen, sondern aus der jeweils eigenen öffentlichen Aktivität, stellt im Kern einen durchaus zukunftsweisenden Gedanken dar. Das Bewusstsein der eigenen Teilhabe am Öffentlichen – hier bezogen auf die Versorgung mit Licht – wird dadurch gestärkt.
Der Leuchtenentwurf mit LED-Technik bewegt sich im Korridor aktueller konzeptioneller Muster, ist damit grundsätzlich industriegeeignet. Analog zur Leitlinie des diesjährigen Auswahlgremiums, statt Exponate des Gegenstandsdenken hervor zu heben, vielmehr Beispiele des Systemdenkens zu unterstützen, gab es eine einstimmige Entscheidung für diesen Entwurf.

Der Jury des Marianne-Brandt-Wettbewerbes wurde am 15.06.2010 im Grünen Salon, Wasserschloss Klaffenbach durch Persönlichkeiten der Stadt Chemnitz

u.a.:
-die Bügermeistern für Kultur der Stadt Chemnitz, Frau Barbara Lüth
-der Vorsitzende des Chemnitzer Künstlerbundes, Herr Teo Richter
-die Mitglieder des Kunstvereines Villa Arte e.V. Chemnitz
-der Vorsitzende der Henry van de Velde-Gesellschaft, Prof. Dr. Christian von
Borczyskowski
-der Vorsitzende des Industrievereines Chemnitz, Herr Prof. Reinhard Erfurth

ein Empfang bereitet.

Die Veranstaltung selbst, wurde auch mit einer Begehung der Ausstellung von „vitra“ im Wasserschloss Klaffenbach zu einer zu gelungenen Veranstaltung der Träger des Wettbewerbes.

Die Juroren zeigten sich sowohl von der Organisation, als auch von der Durchführung des Wettbewerbes sehr beeindruckt und lobten die professionelle Arbeit. Auch dem Filmteam, der VIDEOGRUPPE, wurden mehrfach Komplimente für ihre Arbeit ausgesprochen.



Abschlussveranstaltung

Zur Abschlussveranstaltung, die am 24.09.2010 im Opernhaus Chemnitz stattfand, sind neben den Teilnehmern, auch zahlreiche Gäste angereist. Die Veranstaltung wurde vom Generalintendanten des Opernhauses, Herrn Dr. Helmich, eröffnet. Durch die einzelnen Programmteile führte der MDR figaro Moderator Thomas Bille. Die Ansprache der Schirmherrin, Frau OB Barbara Ludwig, fand großen Zuspruch und Beifall. Stellvertretend für die Staatsministerin, Frau Dr. Dr. von Schorlemer, hat der Staatssekretär, Herr König den Förderpreis der Kunstministerin übergeben. Auch er würdigte den Wettbewerb als einen sehr niveauvollen Beitrag im sächsischen Kulturgeschehen und lobte das hohe Niveau.
Die Veranstaltung wurde umrahmt vom Ballettensemble der Oper Chemnitz. Die eigens dafür gestaltete Choreografie des Chefchoreografen, Herrn Lode Devos, zeigte sich als ein sehr moderner und künstlerisch hochwertiger Beitrag des Rahmenprogramms. Ein ebenso
hochwertiger, emotionaler und künstlerisch wertvoller Beitrag wurde von der Sängerin Marlen Pelny dargeboten.

Mit der Preisverleihung erreichte die Veranstaltung ihren Höhepunkt. Die Preisträger waren natürlich überglücklich. Lobenswert und immer wieder zu nennen sind auch die Stifter der Sonderpreise. Es spricht für die überregionale Wertschätzung des Wettbewerbes, dass neben den Hauptpreisen und dem Sonderpreis des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst
mehrere Unternehmen und Organisationen Sonderpreise vergeben. Dazu gehören international bekannte Firmen wie Alessi, USM, vitra und der schweizer Spielehersteller Naef, aber auch das Leipziger Unternehmen smow, die renommierte OSTKREUZ Schule für Fotografie und Gestaltung Berlin und der Leuchtenproduzent Caralux. Auch die zwei von den Wirtschaftsjunioren Chemnitz vergebenen Preise sind Ausdruck der starken Praxisorientierung des Wettbewerbs.

Die Veranstaltung wurde von der VIDEOGRUPPE videotechnisch perfekt umrahmt und mit gestaltet.
Im Anschluss an die Auszeichnungsfeier im Opernhaus haben sich alle Gäste in das Industriemuseum Chemnitz begeben und wurden dort mit einem „musikalischen crescendo“ der Musikschule Chemnitz empfangen. Die Eröffnung der Ausstellung wurde von Frau Dr. Müller
vorgenommen, die sich auch bei der Konzeption und Gestaltung der Ausstellung als eine sehr gute Partnerin erwiesen hat. Ebenso lobenswert ist der Umgang mit den Exponaten während der Ausstellungszeit durch die Mitarbeiter des Industriemuseums zu bewerten. Sehr professionell und verantwortungsbewusst, eine außerordentlich gute Zusammenarbeit hat sich hier wieder ergeben.

Die prämierten Arbeiten wurden zu den Designers Open in Leipzig ausgestellt. Das Standpersonal rekrutierte sich aus Helfern und Mitgliedern des Kunstvereins, aber auch einige Preisträger waren vor Ort und haben ihre Exponate den Besuchern vorstellen können. Die Messeteilnahme war ein Sonderpreis, gestiftet von den Chemnitzer Wirtschaftsjunioren. Auch der Auf-und Abbau wurde von diesem Verein unter Mitarbeit der Vereinsmitglieder, übernommen.

Nach dieser Messe, als Abschluss des 4.MBW, war eine Ausstellung der ausgezeichneten Arbeiten im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst geplant. Die Vorbereitungen dazu wurden mit großem Einsatz geleistet, auch von Seiten des Ministeriums gab es große Unterstützung. Leider kam es nicht zu dieser Ausstellung, da die Wetterbedingungen so katastrophal waren, dass der verantwortliche Kurator den Transport der Exponate, 2 Tage vor
Ausstellungseröffnung abgelehnt hat. Damit war der Zeitraum zu kurz, die Gäste neu einzuladen. Diesen Umstand haben wir und die Preisträger außerordentlich bedauert. Wir hoffen aber, dass uns noch einmal eine solche Chance geboten wird.

Resonanz und Ergebnisse des 4. Internationalen Marianne-Brandt-Wettbewerbes ermutigen zu
einer konsequenten Fortsetzung und Erweiterung des Konzeptes. Die Verbindung von Funktionalität mit Poesie ist im 21. Jahrhundert zu einer unabdingbaren Voraussetzung bei der Lösung akuter Probleme geworden. Für den Freistaat Sachsen und die Stadt Chemnitz ist der Wettbewerb mehr als Imagepflege, er ist ein Spiegelbild der lebendigen Einheit von Kreativität und Wirtschaftskraft in der Region.

Ilona Rosenkranz
Projektleiterin
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fragility | REGAL | 2004
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